Roxann Hill

Bestsellerautorin erobert „Dunkel Land“

Roxann Hill hat ihren Debütroman im Sommer 2012 veröffentlicht. Seitdem sind ihre Bücher regelmäßig auf den ersten Plätzen der E-Book-Charts sowie auf der BILD-Bestsellerliste zu finden, und wurden auch in weitere Sprachen übersetzt. Ob Krimi und Thriller, Fantasy oder Liebesroman – Roxann Hill fühlt sich nicht nur in einem Genre zuhause. Sie legt viel Wert auf ungewöhnliche Geschichten, und ihre Romane zeichnen sich durch die Charaktertiefe der Protagonisten sowie deren Beziehungen zueinander aus. Die in Brünn/Tschechien geborene Autorin lebt mit ihrem Mann, ihren beiden Kindern und zwei Ridgeback-Hündinnen in Mittelfranken. Nach langjähriger Berufstätigkeit widmet sie sich inzwischen ausschließlich dem Schreiben.






















Roxann im Interview


Liebe Frau Hill, Ihr neuer Kriminalroman „Dunkel Land“ ist am 13. November erschienen.
Wie lange haben Sie an Dunkel Land gearbeitet?

Roxann Hill: Der kreative Schaffensprozess setzte eine lange Planung voraus. Ich habe mich mehrere Monate intensiv mit meinen Charakteren beschäftigt und Zwiegespräche mit ihnen geführt. Als erstes war Carl da. Dann kam Verena. Als sich die Handlung der Geschichte schließlich herauskristallisiert hatte, dauerte das reine Schreiben etwa drei bis vier Monate.


Wie muss man sich diesen Prozess vorstellen?

Roxann Hill: Da gibt es je nach Autor oder Autorin ganz unterschiedliche Stile und Herangehensweisen. Ich persönlich schreibe sehr szenisch. Bevor ich mit einer Szene beginne, stelle ich sie mir deshalb bildlich vor. Ich sehe mich in dem Raum oder an dem Ort ganz genau um. Ich gehe alles in Gedanken ab. Ich überlege mir, was gleich passieren wird. Wo befinden sich meine Charaktere? Was machen und sagen sie? Wie fühlen sie sich dabei? Die Kunst liegt für mich im Auffächern und Zusammenführen von Handlungssträngen. Dieser Prozess folgt einem eigenen Timing.


Was war zuerst da, die Geschichte oder das Buch?

Roxann Hill: Eindeutig die Geschichte. Ich vergleiche das Schreiben gern mit einer vorsichtigen Entdeckerreise. Es gibt so viele Geschichten. Sie sind alle bereits da und warten nur darauf, freigelegt zu werden. Das ist ein sehr sensibler, intensiver Vorgang.


Was ist für Sie der schönste Moment während des Schreibens?

Roxann Hill: Da gibt es so viele. Es ist ein toller Moment, wenn die erste Szene zu Papier gebracht ist. Die Story ist ja dann schon lange in meinem Kopf und endlich geht es los. Oder wenn meine Charaktere mich mit einem Twist überraschen. Gerade bei einer Serie ist es wichtig, dass die Protagonisten gut gezeichnet sind, denn sie tragen die Story. Meine Charaktere wachsen mir sehr ans Herz.


Werden Sie gelegentlich von Ihren Protagonisten überrascht?

Roxann Hill: Ja, absolut. Ein Roman ist für mich nie 100-prozentig voraussehbar. Charaktere entwickeln sich im Verlauf einer Geschichte weiter. Sie machen Lernprozesse durch, die man als Autor nicht bis ins Kleinste im Vorfeld festlegen kann. Das ist wie im richtigen Leben: Wir alle entwickeln uns auch ständig weiter. Erlebnisse und Erfahrungen prägen uns. Und unser Leben ist ebenfalls nur bis zu einem bestimmten Punkt planbar. Das macht das Schreiben so unheimlich spannend. Auch wenn zu Beginn eines Romanvorhabens natürlich die grobe Rahmenhandlung stehen muss, ist die Umsetzung dynamisch und sehr lebendig.


Das klingt fast ein bisschen nach Profiling, einem wichtigen Thema in Dunkel Land…

Roxann Hill: Ja, in gewisser Weise ist es wirklich ein literarisches Profiling. Ein Autor muss das Verhalten seiner Protagonisten antizipieren, damit der Roman in sich stimmig und glaubwürdig ist. Als Autorin muss man sich oft selbst zurücknehmen und offen sein für andere Sichtweisen und Verhaltensmuster.


Apropos Protagonisten… ist es nicht schwierig, einen Serienmörder zu charakterisieren?

Roxann Hill: Das ist natürlich immer eine Herausforderung. Mir ist es wichtig, den Mörder nicht als seelenlosen Serienkiller zu vereinfachen, sondern im Schreibprozess auch zu versuchen, seine Motive nachzuvollziehen. Wichtig ist dabei vor allem die Frage, was einen Menschen zu dem macht, was er ist. In diesem Punkt waren Psychologen in meinem Bekanntenkreis sehr hilfreich, da sie mir wertvolle Einblicke in das menschliche Seelenleben ermöglichten.


Wie kamen Sie auf Berlin/Havelland als Schauplatz von Dunkel Land?

Roxann Hill: Ich kenne das Havelland. Ich mag die ruhige, harmonische Landschaft. Ich finde die alten, teilweise halb verfallenen Herrenhäuser absolut faszinierend, weil sie so viel gesehen und erlebt haben. Sie sind wie eine magische Zeitkapsel. Und ich mag Berlin sehr gerne. Berlin ist eine tolle Großstadt – wild, rastlos, voller Widersprüche. Dieses Spiel mit den Gegensätzen hat mich an den Schauplätzen sehr gereizt.


Warum ergänzen sich Verena und Carl in Dunkel Land so gut?

Roxann Hill: Beide fangen neu an. Verena ist Literaturwissenschaftlerin, sie kommt aus einer Welt der Bücher und verfügt über eine hohe emotionale Intelligenz. Carl hingegen denkt sehr logisch und rational. Er braucht Verena, denn sie ersetzt nicht nur sein fehlendes Gedächtnis, sondern deckt seine empathische Seite ab. Carl weckt in Verena den Beschützerinstinkt.


In Dunkel Land wird „Herr von Ribbeck“ von Theodor Fontane zitiert.
Inwiefern hat diese Ballade Sie inspiriert?

Roxann Hill: Während einer Pause - ich schrieb an einem anderen Buch - kam mir zufällig die Ballade „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ von Theodor Fontane in den Sinn, die mir sehr gut gefällt. Und das Gedicht wollte einfach nicht mehr aus meinem Kopf. Ich lehnte mich zurück, dachte ans Havelland, an alte Herrenhäuser … Und plötzlich war Carl von Wuthenow da. Dunkel Land ist insoweit auch eine Hommage an Theodor Fontane.


Wie war ihre Familie in den Schreibprozess eingebunden?

Roxann Hill: Mein Mann und unsere beiden Kinder sind strenge Kritiker. Sie schauen sehr genau hin und finden deutliche Worte. Selbst unsere Hunde sind krimiaffin. Wenn ich ein Manuskript geschrieben habe, lese ich es mir mindestens zwei Mal laut vor. Für mich ist das eine Art stilistische Qualitätskontrolle. Unsere beiden Hunde liegen dann mit halb geschlossenen Augen zu meinen Füßen und hören mir zu.


Was lesen Sie persönlich gerne?

Roxann Hill: Ach, da bin ich ganz flexibel. Ich lese unheimlich viel. Gerne Krimis und Spannungsliteratur, aber ich mag auch Liebesgeschichten, wenn sie gut geschrieben sind. Und klassische Literatur.


Was empfehlen Sie jungen Autoren und Autorinnen?

Roxann Hill: Man darf sich nicht entmutigen lassen, sollte viel lesen und die gelesenen Romane hinterfragen und reflektieren: Wie ist das Buch strukturiert? Welche Mittel verwendet der Autor? Was hat mir gefallen, was nicht? Wie hätte ich die Geschichte umgesetzt? Üben und einfach schreiben. Bei aller Euphorie und Leidenschaft für seine Romanidee sollte man immer selbstkritisch bleiben.


Herzlichen Dank für das Gespräch.


Roxann
Roxann Harper Collins




Roxann

DUNKEL LAND

Der neue spannende Krimi aus dem Havelland!

Eine Serie von Morden erschüttert Berlin und Umgebung. Eine übel zugerichtete Leiche wird auf einem Berliner Bauplatz gefunden und die Spuren weisen in die rechte Szene …




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